POLIZEI HANNOVER: WICHTIGE HINWEISE ZU KINDERSITZEN IN KRAFTFAHRZEUGEN

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    Warum muss ich denn mein Kind überhaupt anschnallen? Diese Frage ist sehr einfach zu beantworten: Weil es überlebenswichtig für Ihr Kind ist. Von der Gesamtzahl der Verkehrsunfälle mit Kinderbeteiligung in der Polizeidirektion Hannover werden ein Drittel Kinder als Mitfahrer in Fahrzeugen verletzt. Das ist zu viel.

    Und zudem ist es gesetzlich gemäß § 21 Straßenverkehrsordnung (StVO) -Personenbeförderung- vorgeschrieben. Zugegebenermaßen inhaltlich eine sehr umfangreiche Regelung. Kurz zusammengefasst lässt sich jedoch als eine Art „Faustregel“ sagen: „Alle Kinder bis einschließlich 12 Jahren, die kleiner als 150 cm sind, müssen während der Fahrt in Kraftfahrzeugen in einem speziellen Kindersitz vorschriftsmäßig gesichert sein!“

    Das gilt ganz besonders für kurze Strecken, wenn man „mal eben schnell“ mit dem Kind zur Schule, zum Sportunterricht etc. fahren möchte. Auf dem Weg zur oder von der Schule werden jährlich überdurchschnittlich viele Verkehrsunfälle polizeilich registriert, bei denen Kinder als Mitfahrende im Kraftfahrzeug durch falsche oder fehlende Sicherung verletzt werden.

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    Kindersitze können nach zwei Prüfnormen zugelassen werden:

    • nach ECE R 44, in der Version 44“03“ bzw. 44“04“ (Seit dem 08.04.2008 dürfen Sitze in der Version 44“01“ und 44“02“ nicht mehr verwendet werden.)
    • nach ECE R 129 (= I-Size, seit 09.07.2013 in Kraft)

    Der Verbraucher kann zwischen den Normen wählen.

    Die ECE R 44 Kindersitze sind nach Gewichtsgruppen/-klassen eingeteilt:

    • Klasse 0+: Gewicht bis 13 Kilogramm / nur entgegen der Fahrtrichtung zulässig
    • Klasse I: Gewicht von 9 bis 18 Kilogramm / entgegen und in Fahrtrichtung möglich
    • Klasse II: Gewicht von 15 bis 25 Kilogramm / entgegen und in Fahrtrichtung möglich, mit ISOFIX nur in Fahrtrichtung zulässig, nur Sitzerhöhung möglich
    • Klasse III: Gewicht von 22 bis 36 Kilogramm / mit ISOFIX nur in Fahrtrichtung zulässig, nur Sitzerhöhung möglich.

    (Eine einfache Sitzerhöhung für Kinder im Kraftfahrzeug bietet keinerlei Schutz bei einem Seitenanprall.)

    Die ECE R 129 Kindersitze richten sich nach der Körpergröße des Kindes und setzen zwingend eine ISOFIX-Befestigung voraus. In diesen Kindersitzen muss ein Kind bis mind. 15 Monaten rückwärts gerichtet befördert werden. Bei diesen Kindersitzen gibt es folgende Größeneinteilung:

    • Klasse Q0: bis 60 cm Körpergröße
    • Klasse Q1: 60 bis 75 cm Körpergröße
    • Klasse Q1.5: 75 bis 87 cm Körpergröße
    • Klasse Q3: 87 bis 105 cm Körpergröße
    • Klasse Q6: 105 bis 125 cm Körpergröße
    • Klasse Q10: über 125 cm Körpergröße

    Babys/Kleinkinder bis 13 Kilogramm Körpergewicht werden in einer Babyschale transportiert. Die Babyschale wird grundsätzlich rückwärts gerichtet montiert und mit dem Dreipunktgurt des Fahrzeuges befestigt. Das Kind selbst wird mit einem Hosenträgergurt gesichert.

    Bußgeldbestimmungen:

    Im Folgenden erhalten Sie einen Auszug einzelner Verwarn- und Bußgeldsätze aus der Straßenverkehrsordnung (StVO) und der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO):

    Verstoß Verwarn -/ Bußgeld
    Sie nahmen in einem Kraftfahrzeug ein Kind mit, ohne für die vorschriftsmäßige Sicherung zu sorgen. 30 Euro
    Sie nahmen in einem Kraftfahrzeug mehrere Kinder mit, ohne für die vorschriftsmäßige Sicherung zu sorgen. 35 Euro
    Sie beförderten als Kraftfahrzeugführer ein Kind ohne jede Sicherung / sorgten als Verantwortlicher nicht für eine Sicherung des Kindes. 60 Euro

    1 Punkt

    Sie beförderten als Kraftfahrzeugführer mehrere Kinder ohne jede Sicherung / sorgten als verantwortlicher nicht für eine Sicherung der Kinder. 70 Euro

    1 Punkt

    Sie führten das Kraftfahrzeug mit einer nach hinten gerichteten Rückhalteeinrichtung für Kinder auf dem Beifahrersitz, obwohl dieser mit einem betriebsbereiten Airbag ausgerüstet war. 25 Euro

     

    Verhaltenstipps:

    • Lesen Sie die Einbauanleitung des entsprechenden Kindersitzes gründlich und sorgfältig durch.
    • Bauen Sie den in Frage kommenden Kindersitz vor dem Kauf probeweise in Ihr Fahrzeug ein um die Passgenauigkeit zu überprüfen.
    • Achten Sie auf den korrekten Einbau ins Fahrzeug. Der Kindersitz sollte möglichst nicht wackeln und muss fest sitzen.
    • Gurte, die vom Kindersitz am Kind angebracht werden sollten ebenfalls fest sitzen, mehr als eine flache Hand sollte nicht zwischen Gurt und Kind passen.
    • Der Gurtverlauf sollte an der Schulter des Kindes entlanglaufen, nicht am Hals.
    • Kindersitze werden von verschiedenen Verbraucherinstitutionen getestet. Je besser das Ergebnis desto sicherer ist der Kindersitz.
    • Sichern Sie Ihr Kind auch bei kurzen Strecken im Fahrzeug.
    • Um ein gutes Vorbild zu sein, schnallen Sie sich ebenfalls bei jeder Fahrt an.
    • Einzelausnahmegenehmigungen zur Kindersicherung, z. B. aus gesundheitlichen Gründen, können Sie bei Ihrer örtlich zuständigen Straßenverkehrsbehörde beantragen.
    • Seit dem 01.01.1998 gilt auch auf den Rücksitzen von Taxen die Sicherungspflicht für Kinder in entsprechenden Kindersitzen.
    • Beim Transport einer rückwärts gerichteten Babyschale auf dem Beifahrersitz muss der Airbag ausgeschaltet werden.

    Gute Fahrt wünscht Ihnen Ihr

    Rüdiger Wloka

    Verkehrssicherheitsberater der Polizeidirektion Hannover

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